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Essen auf Rollen

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Berlin Marathon: Rennsaisonabschluss Teil 1
Montag, 21. September 2009
Während besonders motivierte oder besonders vergnügte Skater den Köln Marathon noch mitnehmen, ist für viele Sportler der Berlin Marathon sowohl Saisonhöhepunkt als auch Saisonabschluss. Neben Supporterin Janine und Gloria, die kurzfristig auf ihren Start verzichten musste, genossen in diesem Jahr zwölf Essener auf Rollen den Nervenkitzel vor dem Start und auf dem schnellen Berliner Asphalt.

berlin_09_235.jpgIn Berlin gingen wir wieder nach dem EaR-typischen Motto "(teilweise) getrennt anreisen und wohnen, vereint zuschlagen" vor. Während einige EaRs vollen Service bei Freunden oder Verwandten genossen, andere erst am Renntag anreisten, startete das Gros am Freitag mit der Bahn und nahm das Gästehaus der Humbold-Universität erstmals als Basislager in Beschlag und traf damit eine gute Wahl: Die Unterkunft ist zwar einfach, aber sauber, preiswert und hält die zurückzulegenden Wege kurz. 

Kurz war auch der Weg zur Marathon-Messe am ehemaligen Flughafen Tempelhof, die dort hoffentlich ein dauerhaftes Zuhause findet. Das Inline-Village befand sich dort in einem halboffenen Hangar, das ehemalige Rollfeld konnte für letzte Trainingseinheiten und Materialtests genutzt werden. So blieb vor dem Abendessen noch Gelegenheit für die Aufnahme von mehr oder weniger fitnessfördernden Getränken in einer "Beachbar" am Spreestrand.

Den Samstagvormittag verbrachten wir höchst unterschiedlich. Während einige schon in Sachen Marathon-Guide-Projekt Rennvorbereitungen trafen, entschieden sich einige für eine letzte warme Mahlzeit, mehr oder weniger ausgiebiges Shopping, oder ruhige Stunden auf dem Zimmer. Gemeinsamer Begleiter war bei den meisten wohl die stetig steigende Aufregung vor dem Rennen.

Im Teilnehmerbereich war fast alles beim Alten, so dass die bekannten Wege nicht noch für zusätzliche Aufregung sorgten. Lediglich die neue Zuführung der schnelleren Skater in die Startblöcke über einen schmalen Fußweg wirkte etwas unglücklich, sorgte für Stau und bei so manchem auch für steigenden Blutdruck. Anschließend bot Berlin all das, was diesen Marathon so besonders macht: Hells bells vor dem Startschuss! Die lange Startgerade mit Umrundung der Goldelse! Ein riesiges Teilnehmerfeld, dass auch durch die Blockstarts nicht wirklich entzehrt wird! Überwiegend breite Straßen mit schnellem Asphalt, "gewürzt" mit einigen Eng- und Gefahrenstellen, die im dichten Pulk kaum zu sehen sind! Tolle Stimmung am Streckenrand! Viele Stürze!

Für die meisten Stürze sind aber wohl nicht die Herausforderungen der Strecke verantwortlich, sondern das große Teilnehmerfeld in Verbindung mit der Unvernunft einiger Skater: Es dauert ewig, bis sich Züge bilden. Diese Züge sind zudem wenig stabil, sei es wegen der "Kolonnenspringer", die den Zug nebenan attraktiver finden und in diesen hineinspringen, ohne dessen Tempo zuvor aufgenommen zu haben. Sei es wegen der "Kolonnenausweicher", die bei der kleinsten unklaren Situation aus der Gruppe herausfahren und so zwischen die nebeneinander dahinrollenden Züge geraten, sich dann irgendwo dazwischen quetschen, ohne das für den Gruppeneinstieg erforderliche Tempo zu haben. Ich hatte eigentlich gedacht, dass bei den schnelleren Skatern solche Unsitten nicht mehr zu finden sind, musste mir aber berichten lassen, dass wohl auch bei Zielzeiten deutlich unter 1:20 manche Skater ihren gesunden Menschenverstand bei der Kleiderabgabe im Beutel lassen. 

Leider kamen auch nicht alle EaRs sturzfrei ins Ziel, wurden teilweise Opfer rücksichtsloser Sportskollegen, teilweise Opfer von Bitumen oder im Pulk unsichtbaren Schlaglöchern. Zum Glück erwischte es niemanden von uns schwer und wer den Asphaltkontakt sogar noch vor der Goldelse schaffte, durfte sich noch am nächsten Tag über wiederholte Anfragen zum Gesundheitszustand freuen;-)

Mit unterschiedlichsten Ambitionen gestartet - von Bestzeit über "mal wieder eine gute Zeit skaten" bis hin zu sightseeing oder eine Guidegruppe zur Zielzeit führen - konnten die meisten von uns ihre Ziele mehr oder weniger erreichen, die Stimmung im Ziel war entsprechend gut. Und den doch recht großen Leistungsunterschieden auf der Rennstrecke folgten die Leistungsunterschiede am Bierstand. Der Abend klang dann für einen großen Teil von uns mit einem leckeren indischen Essen aus, während ein kleiner Rest noch bis in die frühen Morgenstunden "Barcelona guckte".

An Sonntag war "Haile gucken" wieder Pflicht. Für mich und viele andere schon ein sehr beeindruckendes Erlebnis, diesen Mann für ein paar Sekunden bei seinem einsamen Kampf gegen die Uhr erleben zu können. Im Gegensatz zu den anderen EaRs konnte ich die folgenden Marathonis nicht mehr angemessen unterstützen, zu groß war mein Kräfteverschleiss bei den Höchstleistungen am Vortag. Statt dessen richtete ich meine Aufmerksamkeit auf das Marathonpublikum, das entlang der Rennstrecke flanierte, auch hier gab es viel zu sehen.

Die Rückfahrt mit der Bahn verlief deutlich unkomplizierter als im Vorjahr und im Zug herrschte beste Stimmung, woran eine große Anzahl anderer Skater, eine Karnelvalsgesellschaft, Janines ebenso wohlschmeckende wie wohlriechende Frikadellen und einige Sixpacks Bier sicher ihren Anteil hatten. So mancher dürfte wie ich froh gewesen zu sein, in Wagen 7 sitzen zu dürfen und nicht in Wagen 6 sitzen zu müssen... 

Anmerkungen zu den Ergebnissen für besonders aufmerksame Leser: 

Bei den hier genannten Platzierungen sind die Top-Skater aus dem Startblock A nicht berücksichtigt. Da noch nicht für alle EaRs Platzierungen vorliegen, habe ich diese in einigen Fällen  geschätzt.  

Ergebnisse Marathon Damen

Name Zeit Platz Platz AK AK
Bonnemann, Heike 1:33:40 197 53 W40
Schmidt, Gesine 1:41:59 441 130 W30
Schönbrod, Anette 1:53:39 818 314 W40
Seidel, Anja 1:57:54 936 274 W30

Ergebnisse Marathon Herren

Name Zeit Platz Platz AK AK
Kernebeck, Bernd 1:16:42 176 70 M40
Schubert, Reiner 1:19:18 201 25 M50
Freidhof, Thomas 1:23:25 435 184 M40
Graßmann, Uwe 1:27:02 692 110 M50
Dr. Steinmetz, Stefan 1:39:55 1740 103 M60
Beisse, Michael 1:40:03 1751 767 M40
Bonnemann, Detlef 1:43:47 2099 898 M40
Raßmann, Karsten 1:46:01 2253 947 M40
Schönbrod, Jens 1:53:40 2745 1132 M40
» 3 Kommentare
3"More than a race" von RSC am Mittwoch, 23. September 2009 19:34
Wie wahr, Du hast recht eine vielzahl der Skater hat den gesunden Menschenverstand bei der Kleiderabgabe im Beutel lassen. Der Marathon war purer Stress oder eben "More than a race". Nach dem Rennen in Berlin und Langenfeld reicht es mir so langsam mit Unfällen und stürzenden Skatern. Das eigene Risiko wird fremd bestimmt, das gefällt mir gar nicht. 
 
Gruß Reiner
2Kommentar von Gesine am Dienstag, 22. September 2009 19:48
danke für den netten bericht...möchte noch ergänzen, dass ich leider :-((die einzige EAR auf der skaterparty am abend war. es war so eine geniale location, nächstes jahr wäre ein geminsames erscheinen dort sicher reizvoll:-))
1Kommentar von UGR am Montag, 21. September 2009 22:09
Vielen Dank für den guten und sachlichen Bericht;-)) Alles Gute für alle Stehaufmännchen die von der Goldelse bis zum Ziel den Asphalt gekostet haben. Noch einen Tip an alle die ihre Bestzeit verfehlt haben: Versuchet es am Vorabend mal mit Volltanken***ggg*** Habe die besten Erfahrungen gemacht;-)) 
 
Liebe Grüße, 
 
Uwe
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